Ruanda-AG 2018

Workshop 1: (30. August)

Ruanda – überbevölkerte Enklave im Herzen Afrikas –Chancen und Probleme eines Entwicklungslandes“.
In einer Überblickspräsentation wurden geographische, historische, soziale, regionale und globale Bedingungen der Entwicklung und Unterentwicklung des Partnerlandes aufgezeigt. Herr Fischer, der sich seit 30 Jahren mit Ruanda beschäftigt, ein Jahrzehnt dort gelebt und gearbeitet hat und letztes Jahr bei zwei Besuchen durchs Land gereist ist, konnte ich seinem  Referat durch eigene Bilder mit vielen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungsberichten illustrieren. Themengebiete waren u.a.
- Der Bauboom in Kigali und den größeren Zentren (Kigali hat sein Gesicht völlig verändert, „sauberste Stadt Afrikas“)
- Die ökologische Ausrichtung der Politik durch erneuerbare Energien (Solarparks, Wasserkraftwerke, Gasgewinnung im Kivusee) und striktes Verbot von Plastiktüten
- Vorbildhafte Repräsentanz der Frauen in Politik und Wirtschaft („Frauenwunderland“)
- Rasanter Ausbau der IT-Branche. Die Telekommunikation gehört zu den am schnellsten wachsenden Sektoren der ruandischen Wirtschaft. Das Mobilfunknetz ist gut ausgebaut. Mehrere Anbieter 
   werben um die Gunst der Kunden. Auch die Zahl der Internetnutzer ist in den letzten Jahren stark angestiegen.
Auch die Schattenseiten dieser Entwicklung wurden aufgezeigt.
- Das große Stadt-Land-Gefälle und die sich ständig vergrößernden Unterschiede zwischen Arm und Reich.
- Die Menschenrechtsverletzungen insbesondere gegen kritische Stimmen und die Unterdrückung einer Opposition.
- Die erhebliche Einschränkung der Pressefreiheit.
 

Workshop 2: (6. September)
 
„Kwibuka-ein afrikanischer Traum“
Eine filmische Spurensuche in dokumentarischer Form, ein Porträt des ostafrikanischen Ruandas und seiner inneren Zerrissenheit zwischen blühender Gegenwart und schrecklicher Vergangenheit.
Die erzählerische Aufmerksamkeit liegt dabei nicht nur - wie so oft - auf dem Genozid von 1994, sondern zeigt vor allem andere Seiten der Gegenwart, positive wie negative, die sich seit „Stunde Null“ ergeben haben. Viele Stunden Archivmaterial und diverse Interviews mit Einheimischen zeigen uns im Schatten des Völkermords stehende, wenig bekannte Seiten Ruandas.“
Benjamin Ansari, der Autor und Regisseur des Films hatte den Film der Schule zur Verfügung gestellt.

Workshop 3: (13. September)

Ruanda - "Entwicklung im Zeitraffer"
Kagames Vision 2020 und Ruandas Weg in die Moderne
 
Auf den Vorkenntnissen der Schüler aus den beiden Workshops aufbauend wurden zunächst noch einmal ein Ländervergleich zwischen Ruanda und Deutschland erstellt und anschließend viele Informationen aus dem Film und dem ersten Workshop nochmals aufgegriffen und vertieft, die Ruanda als Musterland für Entwicklung und Wachstum für andere afrikanische Länder und sogar für sogenannte "entwickelte" Länder zeigen. die ungünstige Ausgangslage des Landes sowie die Sicherheitslage, Stabilität und Frieden wurden thematisiert, um die Vision 2020 von dem ruandischen Präsidenten Paul Kagame besser zu verstehen und hinterfragen zu können.
Die ruandische Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus, Umweltpolitik, Gesundheitswesen, Gendergerechtigkeit, moderne Landwirtschaft und Viehzucht wurden dabei ebenso behandelt wie die Schere zwischen Arm und Reich bzw. die Kluft zwischen dem Leben auf dem Land und in der Stadt, das immer weiter auseinander geht.

Workshop 4:(20. September 2018)

Entwicklung durch Bildung
Das ruandische Bildungswesen im Wandel der Zeit

Bei diesem Thema konnte unser Referent Herr Fischer besonders viele persönliche Eindrücke einbringen, da er die ersten Jahre seines Aufenthaltes in Ruanda als pädagogischer Berater im Schulministeriums bei der Umsetzung einer Schulreform tätig gewesen ist.

Die Präsentation zeigte die Entwicklung des Bildungswesen von den Missionsschulen und dem Schulsystem der Kolonialzeit über eine stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse der überwiegend ländlichen Bevölkerung nach der Unabhängigkeit bis zu einer modernen, zukunftsfähigen schulischen Ausbildung. Einige Beispiele sollen das verdeutlichen (die Zahlen stammen aus der Schulstatistik für das Jahr 2014):

In den letzten 20 Jahren wurden insbesondere die Sekundar- und die Hochschulen erheblich ausgebaut. Gegenüber 1994 hat sich die Zahl der Sekundarschüler verzehnfacht, die der Studenten ist auf das siebzehn-fache gestiegen.

In den Primarschulen werden ca. 95% aller Kinder eines Jahrgangs eingeschult. Durch den Schichtunterricht in den ersten Klassen ist die Lehrer-Schüler-Relation noch sehr hoch (ca. 1:60). Doch ist auch in den Primarschulen bereits die Technik eingezogen (fast 170.000 Computer)

Der Ausbau der Vorschulen zeigt erste Erfolge (Einschulungsquote ca. 20%)

Die lange Zeit vernachlässigte berufliche Bildung wird in den letzten Jahren forciert

Relativ neu ist die verstärkte Beschulung Behinderter und der Ausbau einer Sonder- und Inklusionspädagogik.

Auch der Platz unserer Partnerschule im aktuellen Bildungssystem wurde diskutiert und dabei die Besonderheiten der Groupe Scolaire Vumbi herausgearbeitet.

Workshop 5: Donnerstag, 18. Oktober 2018

Interkulturelle Kompetenzen

Melanie Malter-Gnanou ist Bildungsreferentin für Globales Lernen im Saarland und gab gleich den Anlass zu einem freundlichen Witz, wie er zwischen „Pfälzern“ und „Saarländer*innen“ allgemein üblich ist! „Plaisanterie à parentage“ heißt diese Art von humorvollem Schlagabtausch eingefahrener Stereotype in Burkina Faso, dem westafrikanischen Land, in dem die Bildungsreferentin mehrere Jahre gelebt und gearbeitet hat und wie es sie auch zwischen Bayern und Österreichern gibt. Einen Teil dieser Erfahrungen gab sie an uns weiter, um uns einen möglichst stressfreien und aufgeschlossenen Aufenthalt unserer Gastschüler in Deutschland sowie unserem geplanten Aufenthalt im Jashre 2020 in dem rheinland-pfälzischen Partnerland zu ermöglichen.

Im Globalen Lernen kommt es viel auf Perspektivenwechsel an und das erfahren wir anhand eines „Mau-Mau-Spiels“ mit unterschiedlichen Regeln und wechselnder

Gruppenzusammensetzung. „Ich habe mich ausgeschlossen und dumm gefühlt, weil ich die Regeln nicht wusste – es hätte mir geholfen, wenn mir jemand die Regeln erklärt hätte...“, das war der Tenor der Mehrheit von uns Schülern nachdem das Bildungsmodul eine halbe Stunde gelaufen ist. Anschließend konnten wir anhand einer Karikatur uns eine kleine Geschichte ausdenken, um ganz schnell in eine heftige Diskussion über Rassismen in unseren Köpfen einzusteigen! Wie voreingenommen sind wir gegenüber Menschen die anders aussehen, sich anders verhalten oder „anders lieben“, als wir es als „der Norm entsprechend“ kennen? Wie gehen wir mit Vielfalt und Einzigartigkeit um? Wie sehr kreieren wir auch Bilder und geben diese an andere weiter, wenn wir z.B. von unserem Aufenthalt in Ruanda zurückkommen? Am Ende des Workshops waren einige sehr nachdenklich und spürten, dass interkultureller Austausch auch Arbeit an der eigenen Person bedeuten kann, dass Perspektivenwechsel sehr hilfreich ist, um eigene Denkschemata zu verändern und dass wir Menschen doch „eigentlich“ alle sehr ähnlich und doch einzigartig sind!

Workshop 6 (25. Oktober 2018) und Workshop 7 (08. November 2018)

Diese beiden Workshops hatten primär zum Ziel, den Schülerinnen und Schülern, aber auch deren Eltern, unser Partnerland Ruanda näher zu bringen, um alle Beteiligten bestmöglich für den anstehenden Besuch unserer Partnerschüler aus Vumbi vorzubereiten. Dabei wurden wir von Venuste Kubwimana, selbst aus Ruanda und seit sechs Jahren Student an der Uni Kaiserslautern, unterstützt.

Er kennt die Gepflogenheiten beider Länder sehr gut und konnte während den Workshops auch immer wieder hilfreiche Tipps geben und alle Fragen bestens beantworten.

Im Rahmen eines Ruanda-Quizes wurde u.a. der Name der ruandischen Muttersprache (Kinyarwanda), die Hauptstadt Kigali, die Größe von Ruanda und die ca. 9000 km Entfernung von Kigali nach Rheinland-Pfalz thematisiert. Im Anschluss folgten Informationen zur Landeskunde (Ruanda im Zentrum von Ostafrika gelegen, Einwohnerzahl ca. 13 Millionen, 450 Einwohner pro km2, die beiden Regenzeiten von Oktober bis Dezember und Februar bis April, die Durchschnittstemperatur von 18 Grad sowie die Durchschnittshöhe von 1500 ü NN) sowie zu den Sehenswürdigkeiten Ruandas (Königspalast, Nyungwe NP, Akagera NP, Volcano NP, Kivusee).

Mit einigen Informationen zum Alltagsleben in Ruanda verblüffte Venuste die Anwesenden. Beispielsweise, dass Ruanda aktuell das neuntsicherste Land der Erde ist, dass 70 % der Bevölkerung unter 30 Jahres ist, dass in Ruanda Plastiktüten und Second-Hand-Klamotten verboten sind oder dass 64% der ruandischen Parlamentarier Frauen sind (sogar 50% der Ministerposten sind Frauen, gesetzlich geregelt sind mindestens 30% in Führungspositionen), überraschte alle sehr.

Allgemein leben 80% der Ruander von der Landwirtschaft, wobei die Ackerfläche durch das Bevölkerungswachstum pro Kopf immer knapper wird.